Interview

„Wie so oft im Leben: es geht nur gemeinsam“

Patrick Janik, seit 1. Mai 2020 Erster Bürgermeister der Stadt Starnberg

Die berühmten ersten 100 Tage im Amt sind für Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik längst verstrichen, im Stadtrat ist Ruhe eingekehrt, aber wie ruhig können Stadt und Bürger/innen dem neuen Jahr entgegenblicken?

Corona hat die Bühne der Welt und Region betreten - wie sehr beeinflusst das Ihre Aufgaben als Bürgermeister?

Patrick Janik: Die Coronasituation macht alles anders. Mein Amtsantritt fiel auf den ersten Mai. Sie können sich vorstellen, dass der zu anderen Zeiten geselliger ausgefallen wäre. Und natürlich hat das alles auch Auswirkungen auf Abläufe und Tagesgeschehen im Rathaus. Der Organisationsaufwand für vieles ist massiv gestiegen. Besucher können nur mit Termin und in begrenzter Zahl Zutritt erhalten, jeweils aktuelle Verfügungen müssen angepasst und umgesetzt werden.

… und welchen Einfluss hat das für den Haushalt 2021 …

Patrick Janik: Nun ja, wir waren ohnehin nicht auf Rosen gebettet. Die Rücklagen waren bei meinem Amtsantritt auf das gesetzliche Mindestmaß von knapp einer Million geschrumpft. Heuer gibt es coronabedingt deutlich weniger Gewerbesteuereinnahmen, die Gott sei Dank durch das Land teilweise ausgeglichen werden, aber der Einbruch bei den Einkommenssteuern verschärft das Minus.

Bedeutet das weitere Sparmaßnahmen?

Patrick Janik: Es bedeutet zumindest, dass Projekte, die auf der Prioritätenliste nicht oben stehen, verschoben werden.

Die Ausstattung der Schulen?

Patrick Janik: Hat Priorität. Beim Gymnasium Starnberg konnte Digitalisierung bereits nach vorn gebracht werden und auch für die Grundschulen wird das passieren.

Ins Vokabular der Politiker hat sich der Begriff „Bürgernähe“ eingefräst. Mittlerweile scheint es aber so, dass diese umso weniger gelebt wird, desto mehr von ihr die Rede ist. Wie setzen Sie Bürgernähe um?

Patrick Janik: Das ist momentan, durch die begrenzte Zugänglichkeit des Rathauses natürlich nicht so ganz einfach. Wir halten allerdings weiterhin die Bürgersprechstunden ab und ich bemühe mich, jede Bürgeranfrage und jeden Termin-Wunsch so schnell wie möglich zu beantworten. Außerdem laden wir auch unterschiedliche Gruppierungen - wie unlängst die Händler und Gewerbetreibenden - zum Gespräch, um alle Anliegen aufnehmen und diskutieren zu können, die für Stadtleben, Gestaltung und Zukunft wichtig sind.

Sie sprachen gerade an, dass es mit Händlern und Gewerbetreibenden eine erste Gesprächsrunde gegeben hat. Stichwort Handel, Ladenexistenzen, Mieten: Wie gehen Sie die Herausforderung an, dass Starnberg als Lebens- und Erwerbsort erschwinglich, aktiv und attraktiv bleibt - bzw. wird?

Patrick Janik: Es ist vorrangig wichtig, die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu steigern.

Konkret?

Patrick Janik: Zum Beispiel durch Aufwertung des Wochenmarkts mit mehr Event-Charakter und durch bauliche Maßnahmen. Die Maximilianstraße hat für mich Vorbild-Charakter - flanieren von Straßenseite zu Straßenseite ist hier bereits gut möglich.

Was noch?

Patrick Janik: Mit der baulichen Neugestaltung des Schuh-Linse-Geländes können wir einen attraktiven Anziehungspunkt schaffen. Wir sind außerdem bereits dabei, ein Einzelhandelskonzept zu erarbeiten. Dazu gehört auch, das Thema Online-Einkäufe im Regionalhandel inhaltlich und logistisch auf die Beine zu stellen. Bei allem ist das Zusammenspiel mit den Händlern natürlich unverzichtbar. Hätte ich lauter fertige Lösungen, die ich aus einem Baukasten ziehen könnte, wäre das toll - aber auch nicht glaubwürdig. Wie so oft im Leben: es geht nur gemeinsam. Das Treffen unlängst war ein erster Schritt dazu und da werden wir sicher am Ball bleiben.

Hand aufs Herz: kaufen Sie regional ein - auch die Weihnachtsgeschenke?

Patrick Janik: Klar, ja.

Noch einmal zurück zu Corona: Der Winter bringt weitere Herausforderungen mit sich, weil sich alles zwangsläufig wieder mehr in Innenräume verlagert. Gerade was Gastronomie, Kultur und Handel betrifft. Gibt es seitens der Stadt präventive Ansätze und Unterstützung, wie diese Wurzeln städtischen Lebens nutzbar bleiben?

Patrick Janik: Wir können uns nur in den Grenzen der geltenden Corona-Regeln bewegen. Innerhalb dieser versuchen wir, öffentliches und kulturelles Leben sicher und gut zu ermöglichen. Gerade auch um die Advents- und Weihnachtszeit in Bedeutung und Erlebnis zu erhalten. Konkret heißt das: Da der Christkindlmarkt wegen der aktuellen Corona-Entwicklung in diesem Jahr leider nicht wie sonst auf dem Kirchplatz stattfinden kann - der Platz reicht nicht aus, um die aktuell gültigen Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten - bieten wir alternativ 12 in der Starnberger Innenstadt verteilte weihnachtliche Marktbuden mit Gastronomie und Kunsthandwerk an. Außerdem sind weitere weihnachtliche Aktionen und Akzente geplant, wie z.B. Adventsspaziergänge, Drehorgelspieler, Maronistand, Stelzenläufer oder die Nikolausaktion der Cityinitiative. Mitte Januar bis Anfang Februar ist auch der Starnberger Eiszauber - mit coronagerechtem Hygienekonzept - geplant.

Sie sind von vier verschiedenen Fraktionen gemeinsam zur Wahl aufgestellt worden - wie hoch ist deren Erwartungshaltung, dass Sie jeweils in deren Sinn Entscheidungen fällen - wie schaffen Sie es souverän zu bleiben?

Patrick Janik: Oh, ich glaube, genau das war einer der entscheidenden Punkte, warum sich vier unterschiedliche Fraktionen auf einen Kandidaten geeinigt haben: dass sie sich seiner Unabhängigkeit sicher sein konnten. Dass sie wussten, dass es mir immer um die Sache geht. Dass keiner einen Anspruch auf meine Meinung, jeder aber einen Anspruch auf Gleichberechtigung und Fairness hat.

Anders gefragt: Im Frühjahr vor der Wahl sagten Sie im Seeleben-Interview „ein gewisses Maß an Gelassenheit“ im Gepäck mitzubringen, wäre gut und wichtig. War die - rückblickend auf Ihre bisherige Amtszeit - je gefährdet?

Patrick Janik: Es gab zwar schon mal den einen oder anderen Stoßseufzer. Aber ich fühle mich sehr gut und richtig an dem Platz, an dem ich bin.

Über Starnbergs Schwächen, vom Haushaltsdefizit bis zu allerlei Klischees und Vorurteilen, wird gern geschimpft - was sind Ihrer Meinung nach die Stärken dieser Stadt?

Patrick Janik: Das ist ja ein altbekanntes Phänomen: je näher man dran ist, desto schwieriger erkennt man manches, guckt aufs Detail statt aufs Ganze. Wer hier aufgewachsen ist, für den sind der See, unsere Landschaft, auch unser Zusammengehörigkeitsgefühl - vom dem ich sicher bin, dass es stärker ist als mancher denkt - selbstverständlich. Ich sehe hier sehr engagierte Menschen, all die ehrenamtlichen Vereine, viel Lebens- und Liebenswertes, und eine Landschaft, die man nur als Geschenk bezeichnen kann. Ich möchte an keinem anderen Ort leben.