Interview

Immer eine Nasenlänge voraus

Rudolph Rotnase ganz privat in Starnberg

In allen Ländern mischen sich in Erzählungen zur Weihnachtszeit Fantasie und Wahrheit zu wortgewaltiger Pracht und berichten von Nikolaus, Knecht Ruprecht oder Krampus und allerhand Helfern von Weihnachtsmann und Christkind. Das Seeleben hatte das seltene Glück mit einem von ihnen persönlich sprechen zu dürfen.

Zunächst: herzlichen Dank, dass Sie sich für uns die Zeit nehmen, denn sicher sind Sie jetzt in der Vorweihnachtszeit schon sehr eingespannt.

Rudolph Rotnase: Ja, das stimmt – obwohl: wirklich eingespannt (schmunzelt), also im wahren Wortsinne – bin ich dann ja erst zu den Feiertagen. Dennoch: ich werde nicht so oft um Interviews gebeten, das Hauptinteresse gilt doch dem Chef, und so stehe ich gerne zur Verfügung.

Es ranken sich viele Legenden um Sie, manche behaupten sogar, Sie seien selbst eine – wie lebt man mit dem Vorurteil, ein Märchen zu sein?

Rudolph Rotnase: Rentiere bringt so leicht nichts aus der Ruhe. Aber natürlich erfüllt es mich mit Stolz, dass meine Geschichte in der ganzen Welt bekannt ist. Gerade zu Weihnachten bekomme ich oft Dankespost, dafür dass ich damals sozusagen den richtigen Riecher hatte um den Weihnachtsschlitten sicher durchs Schneegestöber zu führen. Schließlich war damit die Idee für die heute in nahezu jedem Automobil integrierten Navigationssysteme geboren.

Ist es nicht dennoch schmerzlich, auf seine Nase reduziert zu werden?

Rudolph Rotnase: Ein Sänger ist ja auch nicht beleidigt, wenn man ihn auf seine Stimme reduziert. Und es gibt literarisch wie zeitgenössisch Persönlichkeiten, die wie ich durch ihre Nase zu Ruhm gelangt sind. Denken Sie an Cyrano de Bergerac oder den Entertainer Thomas Gottschalk.

Würden Sie sagen, Sie haben das Image der Rentiere geprägt?

Rudolph Rotnase: Etwas vielleicht. Aber natürlich ist es bei den Rentieren wie bei den Menschen: es gibt solche und solche. Ich bin nur eines von vielen.

Aber das berühmteste! Können Sie Ihren Beruf noch ausüben, ohne dass Paparazzi Sie blockieren?

Rudolph Rotnase: Wenn wir unterwegs sind, schlafen die Paparazzi. Außerdem zeigt sich eben darin unsere Professionalität: dass es uns gelingt, unsichtbar zu bleiben, wenn wir auf Geschenke-Mission sind.

Auch wenn diese Unsichtbarkeit Teil Ihres Erfolges ist – ist da nicht auch mal das Verlangen, gesehen zu werden?

Rudolph Rotnase: Natürlich tut es gut, wenn gesehen wird, dass wir unsere Aufgabe mit Herzblut erfüllen. Aber dazu muss ich auf kein Podest und brauche kein Rampenlicht.

Wen beliefern Sie lieber mit Geschenken – Männer oder Frauen?

Rudolph Rotnase: Ich bilde da keine Präferenzen, das verbietet allein schon unser Berufsethos. Allerdings – das nur unter uns – ist die Freude der Kinder mein wertvollster Lohn.

Sagen Sie ...

Rudolph Rotnase: Ja?

Ihre Nase: Gibt es einen Grund warum sie aktuell nicht rot leuchtet?

Rudolph Rotnase: Außerdienstlich bin ich gewissermaßen immer im Energiesparmodus. Der Chef achtet sehr auf vernünftigen Kräfteeinsatz.

Es geht das Gerücht, Sie haben eine besondere Beziehung zum Starnberger See?

Rudolph Rotnase: (mit erfreutem roten Nasen-Aufblinken): Das stimmt! König Ludwig liebte es, im Winter mit seinem Schlitten durch den Berger Forst zu fahren. Eines Winters durfte ich für ein erkranktes Pferd einspringen. Das war eine wilde, wunderbare Nachtfahrt! Seither liebe ich die Seeregion.