Junge Erzählkunst mit Witz & Fantasie

Das unglaubliche Eis-Abenteuer
der mutigen Drei


KAPITEL 1: EINE SCHNEEFLOCKE IN NOT

Endlich: der erste Schnee! Paula und ihre besten Freunde Tim und Zett (der eigentlich richtig Zacharias hieß, aber wer heißt schon Zacharias?!, also nannten sie ihn einfach Zett) waren vor Freude ganz aus dem Häuschen. Sie standen am See, als flauschige Flocken vom Himmel segelten, dick wie Wattebällchen und schimmernd wie Seifenblasen.

„Die sehen ja aus, als ob sie über einen Regenbogen gelaufen wären,“ sagte Zett. „Ja“, antwortete Paula, „wie Zauberflocken.“ Und tatsächlich, als eine Schneeflocke auf ihrer Nasenspitze landete, da wurde es Paula auf einmal ganz kalt am Körper und sie konnte ihre Arme und Beine nicht mehr bewegen. Sie war eingefroren. Tim und Zett schrien auf: „Paula, was ist mir dir geschehen?“ „Ich weiß es nicht, mir ist total kalt und ich kann nichts mehr fühlen und denken“, antwortete Paula. Tim und Zett sahen die Flocke auf Paulas Nase und rissen sie herunter. Sofort taute Paula auf.

Da hörten sie auf einmal ein Schluchzen und bemerkten, dass die Schneeflocke, die Tim in der Hand hielt, nicht schmolz und fest und glänzend wie ein Glaskristall war. „Kannst du weinen?“, fragten sie erstaunt. Die Schneeflocke holte tief Luft und erzählte: „Wir Schneeflocken kommen aus der Eiswelt. Dort hat die Eiskönigin die Macht übernommen und viele von uns Schneeflocken eingesperrt. Sie möchte, dass es nur noch bei ihr in der Eiswelt schneit. Einige wenige Schneeflocken und ich konnten entkommen. Ich brauche dringend eure Hilfe, um die anderen Schneeflocken aus der Gefangenschaft zu befreien und die Eiskönigin zu besiegen. Sonst wird es in der Menschenwelt nie wieder schneien.“

„Aber wir können doch nicht den ganzen Weg bis in die Eiswelt zu Fuß gehen. Das dauert doch ewig“, sagte Tim. Da erwiderte die Schneeflocke: „Keine Sorge! Ich kann uns teleportieren. So sind wir ganz schnell dort. Aber ich warne euch, teleportieren ist nicht ganz ungefährlich.“

Eine Minute lang war es ganz still, dann sagte Zett: „Ich komme mit!“ Paula und Tim riefen: „Und wir sind auch dabei!“

Die Schneeflocke verlor keine Zeit. Sie wurde mit einem Mal giftgrün, eine riesige Kugel schoss aus ihr heraus und traf die Kinder. Sie wurden mit rasender Geschwindigkeit durch die Luft gewirbelt. Als sie wieder klar denken konnten, spürten sie, dass es sehr, sehr warm um sie herum war. Sie dachten: Das kann nicht die Eiswelt sein. „Sind wir hier richtig?“, fragte Paula ängstlich. Die Schneeflocke antwortete: „Da ist etwas gewaltig schiefgelaufen, nun sind wir im Land der Feuerkönigin gelandet. Oh nein! Sie kann mit ihrer Kraft alle Schneeflocken für immer zerstören.“

Paula, Tim und Zett riefen erschrocken: „Wir müssen so schnell wie möglich hier weg!“ Auf einmal wurde es immer heißer und heißer. Die Feuerkönigin hatte die Kinder entdeckt und kam neugierig näher. Zum Glück hatte sie die kleine Schneeflocke noch nicht gesehen. Zett nahm sie schnell in die Hand. Die Feuerkönigin wollte gerade fragen, wer sie sind, als die Schneeflocke wie ein Blitz auf die Feuerkönigin zuschoss und sich an ihre Nasenspitze heftete. Im selben Moment gefror die Feuerkönigin. Gleichzeitig färbte sich die Schneeflocke wieder giftgrün und die Reise ging weiter. Das war gerade noch einmal gutgegangen.

KAPITEL 2: DER GEFÄHRLICHE WEG IN DIE EISWELT

Nach wenigen Minuten war der Flug schon wieder vorbei. Vor ihnen lag eine dunkle Höhle. „Ab jetzt geht es zu Fuß weiter. Ich habe nämlich immer nur Kraft für zweimal Teleportieren. Hier müssen wir hinein“, sagte die Schneeflocke. Sie und die drei Kinder gingen in die Höhle.

Die drei Freunde merkten, dass es kälter und kälter wurde. Plötzlich hörte Paula ein Geräusch. „Hört ihr das?“, fragte sie. Die Schneeflocke erschrak: „Das ist das Schneemonster. Es ist sehr gefährlich. Wenn ihr nicht aufpasst, wird es euch in Eisblöcke verwandeln.“ Vor Schreck wurden die Kinder ganz blass. Was sollten sie tun? Immer näher kamen die Geräusche. Es war ein gruseliges Knurren, das sie hörten.

„Was kann uns retten?“, rief Tim ängstlich. Der Schneeflocke fiel ein, dass es in der Höhle eine heiße Wasserquelle gab. Gemeinsam gingen sie dorthin. „Da können wir das Monster hineinstoßen!“, schlug Paula vor.

Aber Zett hatte eine bessere Idee und erklärte sie ihnen schnell. „Super, so machen wir es!“, riefen sie aufgeregt. Die Schneeflocke setzte sich auf das heiße Wasser, das sofort zu einem Eisklumpen gefror. Gemeinsam rollten Zett und Tim den großen Eisblock in die Nähe des Monsters. Paula lockte das Schneemonster an. Als es schon ganz nah war, versteckte sie sich hinter einem Felsen. Da gaben die Jungen dem Eisklumpen einen Stoß. Genau in dem Moment, als er das Monster berührte, löste sich die Schneeflocke. Der Eisklumpen verwandelte sich zurück in heißes Wasser, das über das Schneemonster strömte und es zum Schmelzen brachte.

Die Kinder folgten dem Weg durch die Höhle. Es wurde neblig und dunkel. Sie froren sehr. Da schrie Tim plötzlich: „Hilfe!“ und verschwand in einem Loch. Paula und Zett rutschten vor Schreck aus und stürzten auch in die tiefe Grube. Paula stieß gegen etwas Hartes: „Auaaaa!“ „Was ist?“, fragten die Jungen. Es war eine Tür. Tim öffnete die Tür. Ein langer Gang erschien. Sie folgten ihm und rutschten auf einmal nach unten, dann wieder hoch und runter, hoch und runter und immer so weiter. Endlich war die Rutscherei vorbei. Und sie kamen an eine zweite Tür. Aber sie öffnete sich nicht. Sie schauten nach einem Schlüssel und suchten und suchten. Sie wollten schon aufgeben, da hatte Paula den Schlüssel gefunden. Sie öffneten langsam die Tür und vor ihnen lag wieder eine Höhle, dieses Mal war es eine Eishöhle.

Tim, Zett und Paula gingen langsam hinein. Es war dunkel und kalt. Sie hatten Angst. Paula stolperte über einen Stein. Sie fiel auf den harten Boden. Ihre Taschenlampe rutschte ihr aus der Tasche. Zett hob sie auf und knipste sie an. Er half Paula wieder auf die Beine. Sie gingen langsam weiter. Plötzlich kamen sie in einen großen Raum. Die Taschenlampe flackerte und erlosch. Zett ging langsam vor. Er tastete sich an den kalten Wänden entlang. Dann sahen sie ein flackerndes Licht. Es kam von einer Fackel. Zett rannte hin, nahm sie und leuchtete den Weg. Vor ihnen lag eine Hängebrücke. „Müssen wir da rüber?“, fragte Tim. Die Schneeflocke antwortete: „Ja, aber dann ist es nicht mehr weit und wir sind auch schon bald da.“ Zett und Paula gingen vorsichtig über die Brücke. Tim sagte: „Wenn ihr es so leicht schafft, dann schaffe ich das auch.“ Er rannte los. Als er fast drüben war, rief Paula: „Tim, pass auf, da ist ...!“ Aber es war zu spät. Tim rutschte aus und hielt sich gerade noch an einem Brückenbalken fest. Er schrie: „Ich kann nicht weiter!“ Paula zog ein Seil aus ihrem Rucksack. Sie warf es Tim zu. Tim griff danach und Zett und Paula zogen mit aller Kraft. Sie schafften es, Tim zu sich auf die andere Seite zu ziehen. Sie waren sehr erleichtert und die Schneeflocke sagte: „Das ist noch mal gut gegangen!“ Sie machten sich weiter auf den Weg zur Eiswelt.

Da war plötzlich ein lautes Stampfen zu hören. Tim fragte: „Was ist das nun wieder?“ Die Kinder blieben ängstlich stehen. Das Stampfen wurde lauter und der Boden fing an zu beben.

Dann stürmten Eissoldaten auf sie zu. Sie nahmen die Kinder gefangen und steckten sie in ein unterirdisches Gefängnis. Paula, Tim und Zett waren so geschockt, dass sie erst gar nicht bemerkten, dass das Gefängnis voller Schneeflocken war. Die Schneeflocke begrüßte ihre Freunde und Freundinnen und sagte: „Diese mutigen Kinder wollen uns helfen, die Schneekönigin zu besiegen!“.

Da erzählten ihnen die Schneeflocken, dass man einen Schlüssel braucht, um aus dem Gefängnis herauszukommen. Außerdem wird der Palast der Schneekönigin von einem gefährlichen Schneeriesen bewacht, der niemand hereinlässt. Er hat einen Schild mit Zauberkräften und der macht ihn unbesiegbar.
Paula, Zett und Tim wollten schon aufgeben als sie das hörten. Noch mehr Abenteuer - diese Reise wurde wirklich immer gefährlicher. Aber die kleine Schneeflocke flehte sie an, weiterzumachen.

KAPITEL 3: IM PALAST DER BÖSEN EISKÖNIGIN

Die drei Kinder setzten sich auf den Boden, der mit Schnee bedeckt war. Paula war müde, sie spielte mit dem Schnee und formte Menschen und Tiere. Da rief Tim aufgeregt: „Jetzt habe ich mal eine Idee. Paula hat mich darauf gebracht. Seht mal, was man aus Schnee auch noch machen kann.“ Er hockte sich hin und formte einen Schlüssel für die verschlossene Tür. Die kleine Schneeflocke fror ihn ein. Sie steckten den Schlüssel in das Türschloss und ... die Tür öffnete sich. Alle Schneeflocken flogen heraus. Sie freuten sich sehr, endlich wieder frei zu sein. Auch die Kinder und die kleine Schneeflocke flohen aus dem dunklen Gefängnis.

Nun waren sie tatsächlich in der Eiswelt angekommen und es war eiskalt. Der Palast der Eiskönigin lag vor ihnen und davor stand der gewaltige Schneeriese mit seinem Zauberschild und bewachte ihn. Die Kinder versteckten sich hinter einem der vielen Schneehaufen. „Lasst uns jetzt ein Schwert formen!“, schlug Tim vor. „Du bist echt genial,“ sagte Paula. So entstand ein gewaltiges Schwert, an das sich die Schneeflocke heftete.

Langsam gingen sie auf den Palast zu. Die Sonne ging unter und Blitze schlugen ein. Als sie vor dem prächtigen Eispalast standen, entdeckte der Schneeriese sie. Sofort hob er seinen Schild und richtete ihn auf die Kinder. Auf einmal kam ein riesiger Blitz, er traf das Schwert der Kinder, aber es leitete ihn ab. Gleichzeitig übertrug der Blitz die Zauberkräfte des Schildes und es bildete sich ein Schutzbogen um die Kinder herum. Der nächste Blitz schoss mit voller Wucht auf sie zu, aber Schwert und Schutzbogen wehrten ihn ab und lenkten ihn zurück auf den Schild des Schneeriesen. Der Schild zerbrach und der Blitz traf den Schneeriesen, der in 1000 Stücke zerplatzte. „Haben wir ihn besiegt?“ fragte Tim. Paula, Zett und die Schneeflocke konnten es kaum glauben und schrien: „Ja, er ist besiegt! Jetzt wartet nur noch die Eiskönigin auf uns.“ „Nur noch?“, murmelte Tim.

Auf einmal stieg ein weißer Nebel auf und aus dem Nebel tauchte ein großes silberglänzendes Portal vor ihnen auf. Sie gingen hindurch, eine Tür öffnete sich von allein und plötzlich standen sie im Thronsaal. Da hörten sie Schritte. Die Tür sprang auf und vor ihnen stand die böse Königin. Sie schleuderte Blitze, Schnee und Eis. Die Kinder samt der Schneeflocke sprangen vor Schreck hinter den Thron, um nicht entdeckt zu werden.

Die Königin ging zu einem Schrank, holte eine Eiskugel heraus und legte sie auf ein weißes Samtkissen. Denn vor vielen Jahren, als sie noch eine gütige, also eine gute, Königin war, hatte eine ferne Macht sie angegriffen und überwältigt. Dadurch wurde sie furchtbar böse und ihr Herz war für immer zu Eis gefroren. Seitdem bewahrte sie es in dieser Kugel auf.

Sie sprach einige geheimnisvolle Worte. Im selben Moment erschien ein Hologramm, in dem Paula, Tim und Zett erschienen. Die Eiskönigin drehte sich langsam um und schritt auf den Thron zu. Sie befahl: „Kommt hervor und versucht gar nicht erst zu fliehen.“ Langsam krochen die Kinder aus ihrem Versteck. In diesem Moment flog die kleine Schneeflocke blitzschnell direkt auf die Eiskönigin zu. Damit hatte sie nicht gerechnet und sie fiel vor Schreck um. Paula und Tim stürzten sich auf sie. Die Schneeflocke rief Zett zu: „Zerstör die Eiskugel!“ „Nichts lieber als das,“ dachte Zett und schmiss sie voller Wucht auf den Boden. Sie zerbrach in 1000 Teile und im selben Moment zerfiel die Eiskönigin zu Schnee. Ein kalter, eisiger Wind wehte ihn in alle Richtungen. Die Kinder standen starr und konnten nicht glauben, was geschehen war. Sie schauten sich nach der Schneeflocke um und sahen, wie sie sich in eine wunderschöne Schneefee verwandelte. Auch der Palast strahlte, glitzerte und glänzte in allen Regenbogenfarben. Tausende Schneeflocken kamen aus allen Himmelsrichtungen angeflogen und tanzten in der Luft.

Paula, Zett und Tim staunten mit großen Augen und offenen Mündern über das, was um sie herum geschah. Da kam die Schneefee auf die Kinder zu und begann zu erzählen: „Die Eiskönigin wollte schon immer die Macht über die Eiswelt und uns Schneeflocken haben. Eines Tages haben sie und ihre Eissoldaten uns überwältigt und mich in eine Schneeflocke verwandelt. Zum Glück konnte ich mit einigen Schneeflocken entkommen. Der Wind hat uns bis zu euch an den See und mich auf Paulas Nasenspitze getragen. Ihr habt euch so über den Schnee gefreut, dass ich wusste, ihr werdet mir helfen, die Eiswelt zu retten. Dafür sind wir euch alle sehr, sehr dankbar.“ Zett, Paula und Tim konnten kaum glauben, was sie da hörten. Glücklich und stolz schauten sie sich an. Auf einmal wird Paula nachdenklich. Sie sagt leise: „So schön es hier ist, aber ich möchte wieder nach Hause.“ Tim und Zett nicken.

Die Schneefee verstand den Wunsch der Kinder. Sie führte sie durch ihren Eispalast zu einer Schneekutsche, vor die sechs weiße Schneepferde gespannt waren.

„Diese Kutsche wird euch wieder zurück an den See bringen. Die Pferde kennen den Weg. Als Dank für euren Mut und eure Hilfe schenke ich euch diese besondere Schneekugel. Wenn ihr sie schüttelt, wird es bei euch schneien, zu jeder Zeit und an jedem Ort“, erklärte die Schneefee. Tim rief begeistert: „Cool, dann gibt's im Sommer in Italien Schnee am Strand!“ Alle lachten.

Nun stiegen die Kinder in die Kutsche ein. Die Pferde liefen los, wurden immer schneller, hoben ab und flogen durch die Winterluft. Die Schneefee winkte den Kindern zum Abschied und viele, viele Schneeflocken begleiteten sie zurück an den Platz am See, dorthin wo alles begann.


Danksagung & Nachwort

Unser Starnberger Seeleben-Dank geht mit Wärme und Freude an alle, die im kleinen Funken der Fantasie das Große erkennen, das er bewirken kann.

Es ist beruhigend und beglückend, dass es noch Schulen und Lehrende gibt, die junge Menschen einladen und begeistern, Lernen als bereicherndes Abenteuer zu erleben. Danke an das Team der Oskar-Maria-Graf-Grundschule als tolles Beispiel für Lehrkräfte, die sich neben und über den Lehrplan hinaus für die individuelle Entwicklung „ihrer“ Kinder einsetzen.

Allen voran (auch wenn ihr das jetzt nicht recht ist) Anja Rosenkranz, mit der wir als Seeleben schon einige wunderbar kreative Projekte realisieren durften. Und damit hoffentlich (ziemlich sicher) manchen Funken zur Weiterentwicklung schöpferischer Kräfte im einen oder anderen jugendlichen Kopf entfachen konnten.

Sie haben es wahrscheinlich beim Lesen bemerkt: Die ersten Sätze des unglaublichen Eis-Abenteuers der mutigen Drei hat das Seeleben sich ausgedacht, quasi als Start-Plattform für die Kinder. Zum Anlauf nehmen und Abheben fürs Ausspinnen in Worten und Bildern.

Ab dem Moment, als die Schneeflocke Paulas Nasenspitze erreicht, haben 38 Kinder der dritten Klassen der Oskar-Maria-Graf-Schule die Regie übernommen und sie haben sich ein Wahnsinns-Abenteuer ausgedacht.

So wie am Ende eines Films die Namen aller Beteiligten nicht fehlen dürfen, bedanken wir uns hier zum Schluss bei allen erzählenden, schreibenden und malenden Nachwuchstalenten dieser fantastischen Geschichte:

Amelie K | Amelie M | Bene | Benni | Dela | Elene | Elisa | Etienne | Finn | Jasper | Johanna | Jonas | Katharina | Laurenz | Layla | Lea | Lena L | Lena W | Leo | Lilly | Luisa | Louis | Luyuan | Magdalena | Max E | Max v P | Maxim | Nova | Nora | Patricia K | Patricia P | Paul | Paulus | Sophia | Stephan | Therese | Tobias | Vicky